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Black Market International
Performance im Rahmen Kasseler Museumsnacht 2025

documenta Halle,
Du-Ry-Straße 1, 34117 Kassel
6. September 2025, ab 17 Uhr

Anlässlich der Kasseler Museumsnacht kehrt das Performance-Kollektiv Black Market International nach Kassel zurück. In der documenta Halle präsentiert die vielköpfige Gruppe, die zu den einflussreichsten und radikalsten Performance-Formationen der vergangenen Jahrzehnte zählt, eine mehrstündige, improvisierte Aktion.

Die Kunst der Performance spielte während der documenta 8 im Jahr 1987 erstmals eine zentrale Rolle. Die von Elisabeth Jappe kuratierte Sektion documenta live. Performance – Aktion – Ritual setzte neue Impulse. Mit dabei war auch das 1985 gegründete Performance-Kollektiv Black Market International (BMI).

In der provisorisch umfunktionierten Parkgarage des Kasseler Renthofs realisierte die damals achtköpfige Gruppe um die Gründungsmitglieder Boris Nieslony, Jürgen Fritz und Norbert Klassen die 24-stündige Improvisation Das Brakteatenstück – eine intensive performative Auseinandersetzung mit Tausch-Handel, Wertsetzung, Warenzirkulation und dem Prinzip der Gabe.

Zur diesjährigen Museumsnacht kehrt Black Market International – heute eine weltweit aktive Künstler*innen-Assoziation – nach Kassel zurück und feiert zugleich ihr 40-jähriges Bestehen an einem Ort, der die Entwicklung der Gruppe entscheidend mitgeprägt hat.

Typisch für ihre Arbeitsweise entsteht die Performance live, ungeplant und unmittelbar – ohne Skript, Partitur oder vorherige Absprachen. Ganz im Sinne des interkulturellen Austauschs und der Leitidee eines „offenen Systems der Begegnung“ (Boris Nieslony) entwickeln die beteiligten Akteur*innen eine ortsbezogene Aktion: im Dialog mit der Architektur, der Atmosphäre des Raums und in direkter Resonanz mit dem Publikum, das aktiv in das Geschehen einbezogen wird. Ausgewählte Materialien aus dem Performance-Archiv Schwarze Lade sowie weitere Requisiten werden hierbei im Prozess aktiviert und dienen als Impulsgeber für das gemeinsame Handeln im Moment.

Seit vier Jahrzehnten versteht sich Black Market International als wandelbares Netzwerk von Künstler*innen unterschiedlicher Herkunft und Disziplinen – von bildender Kunst über Theater und Tanz bis hin zur Musik. Die künstlerische Praxis der Gruppe spiegelt sich im Performance-Archiv Schwarze Lade, das 2024 seine neue Heimat im documenta archiv gefunden hat. 1981 im Umfeld der Aktionskunstszene um Boris Nieslony gegründet, diente es zunächst als kollektiv genutztes Arbeitsinstrument und entwickelte sich seither zu einem der bedeutendsten Archive für Happening, Aktionskunst und Performance Art.

Die abendfüllende Performance wird von einem Filmprogramm und einer dokumentarischen Materialpräsentation zur Geschichte des Kollektivs in der documenta Halle begleitet.

Boris Nieslony, Gründungsmitglied von Black Market International, beschreibt den Grundgedanken so:
„Meine Vorstellung war, dass [Black Market International] keine führende Figur (Regisseur) benötigt, dass es keine strukturellen Absprachen in Bezug zur performativen Aufführung geben und dass das Prinzip der ‚Offenen Begegnung‘ leitend sein sollte. Hilfreich war ein Gedanke von Martin Buber: ‚Begegnung liegt nicht in Raum und Zeit, sondern Raum und Zeit liegen in der Begegnung.‘“

Birgitta Coers, Direktorin des documenta archiv, erinnert an die Kasseler Auftritte von Black Market International:
„Der legendäre 24-stündige Auftritt der damals noch jungen Perfomance-Gruppe während der documenta 8 im Dunkel der Renthof-Garagen formte aus den zeitlichen Abläufen alltäglicher Erfahrungs- und Handlungsräume ebenso kraftvolle wie irritierende Bilder und stieß sofort auf ein breites Echo. Verstörende Akrobatik, Gesten, Töne forderten alle Sinne. Es war die Stadt Kassel selbst, die Black Market International mit Empedokles erneut zur documenta 9 einlud. Ich bin glücklich und dankbar, dass die weltweit verstreute Künstler*innengruppe um Boris Nieslony nun der Einladung des documenta archiv gefolgt ist und ihren 40. Geburtstag mit einer mehrstündigen Performance in der documenta Halle – unweit des einstigen Tatorts – feiert.“

Mit Blick auf das Jubiläum „70 Jahre documenta“ ergänzt Andreas Hoffmann, Geschäftsführer der documenta und Museum Fridericianum gGmbH:
„Die Rückkehr von Black Market International nach Kassel ist weit mehr als eine Hommage an ein bedeutendes Kapitel der documenta Geschichte. Im Jubiläumsjahr ‚70 Jahre documenta‘ steht dieser Auftritt exemplarisch für den experimentellen Geist und den Mut zur Offenheit, die das Ausstellungsformat seit seinen Anfängen prägen. Mit diesem anspruchsvollen Beitrag zur Museumsnacht aktualisiert das Kollektiv seine 40-jährige Performancepraxis und setzt damit einen markanten Akzent im Jubiläumsjahr der documenta.“

Beteiligte Künstler*innen:
Julie Andrée T. – JAT (CAN), Jürgen Fritz (D), Sandra Johnston (GB), Myriam Laplante (CAN/IT), Ryszard Ługowski (PL), Alastair MacLennan (GB), Boris Nieslony (D), Zygmunt Piotrowski (PL), Nigel Rolfe (IRL), Tomasz Ruller (CZE), Elvira Santamaria Torres (MEX), Jacques Van Poppel (NL) und Roi Vaara (FIN).
 
Eintrag vom: 24.08.2025  




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