Künstliche Intelligenz, Demokratiebildung und Erinnerungskultur
Das Museum für Kommunikation präsentiert sein Ausstellungs- und Vermittlungsprogramm 2026 mit Fokus auf KI, Medienkompetenz und gesellschaftlichem Dialog
In unserem Pressegespräch zieht Dr. Annabelle Hornung eine Bilanz ihres ersten Jahres als Direktorin, zugleich richtet sie den Blick nach vorn: Auch 2026 steht im Fokus der Vermittlung von Künstlicher Intelligenz, ihren Chancen und Risiken. Am 27. Mai eröffnet das Museum den Stelenwald „20+1: 20 und (d)eine Perspektive auf KI“ neu in der Dauerausstellung. Dafür setzt es die mit einem Ideenforum im Dezember 2025 gestarte Zusammenarbeit mit der interessierten Öffentlichkeit fort. Aufbauend auf zentralen Fragen der Teilnehmenden zu selbstlernenden Algorithmen und dem gesellschaftlichen Einfluss von KI werden die seit 2017 in die Ausstellung integrierten digitalen Stelen mit Statements von Expert:innen neu bespielt.
Das Programm des Hauses startet direkt zum Jahresbeginn: Im Januar feiert die Mobiltelefonie ihr 100-jähriges Jubiläum. Dieser langen Historie widmet das Museum ab dem 14. Januar eine Pop-Up-Ausstellung im Museumsfoyer sowie eine digitale Präsentation auf der Website.
Dass Erinnern, auch angesichts des anstehenden „Super-Wahljahres“ wichtig ist, macht die Ausstellung „Die Nazis waren ja nicht einfach weg“ ab dem 29. Januar 2026 deutlich. Sie wurde gemeinsam mit Schüler:innen entwickelt und richtet sich insbesondere an junge Menschen. Mit „Samizdat: Worte der Freiheit“ rückt das Museum ab August anlässlich des Buchmesse-Gastlandes Tschechien die Produktion und Verbreitung verbotener Literatur und Gedanken in der Tschechoslowakei in den Fokus. Im Herbst eröffnet schließlich die große Sonderausstellung „Familienbande“. Sie geht der Frage nach, wie sich Familienkommunikation in einer vernetzten Welt entwickelt.
Großes Interesse am Fokusthema Künstliche Intelligenz
2025 hatte die neue Direktorin Dr. Annabelle Hornung den Themenschwerpunkt „Künstliche Intelligenz und Kommunikation“ gesetzt. Seither hat das Museumsteam die Auseinandersetzung mit KI vertieft: Während die Ausstellung „New Realities“ noch bis Anfang 2026 die Wirkmacht bildgenerierender KI erkundete, wurden im Dezember 2025 zwei neue Themeninseln in der Dauerausstellung eröffnet, um die technischen und gesellschaftlichen Auswirkungen im Bereich KI zu vermitteln. Auch in vielen der mehr als 1.100 gebuchten museumspädagogischen Angeboten des Museums hat KI eine wichtige Rolle gespielt, etwa im Creative AI Studio oder im medienpädagogischen Workshop zum Thema Fake News.
Demokratieförderung durch Medienbildung
Das zentrale Anliegen, das Dr. Annabelle Hornung zum Antritt formuliert hatte, nämlich Medienkompetenz und -bildung als Demokratiestärkung zu begreifen, wurde ebenfalls 2025 umgesetzt. Dabei reichte das Angebot von der Entdeckungstour für die Kleinsten bis hin zur Führung mit demenziell erkrankten Menschen. Auch 2026 gibt das Museum für Kommunikation mit seinen Workshops und Führungen seinen Gästen Tools und Kompetenzen an die Hand, die den Umgang mit Kommunikationstechnologien fördern. Gemeinsam mit der vhs Frankfurt organisiert es drei Weiterbildungskurse, die u.a. ältere Menschen adressieren und hilfreiche Tipps geben, wie KI-Apps etwa für Textverarbeitung und Recherche eingesetzt werden können, um den Alltag zu erleichtern. Ein anderer Kurs befasst sich mit der Festschreibung von menschlichen Vorurteilen durch KI, sowie mit damit verbundenen neuen Formen der Diskriminierung.
Co-Working mit der interessierten Öffentlichkeit
Um die Bedürfnisse und Erfahrungen von Menschen unterschiedlichen Alters mit Künstlicher Intelligenz noch stärker in das Museumsprogramm einzubinden, hat das Museumsteam ein neues Gesprächsformat entwickelt, das Ideenforum: Am 6. Dezember 2025 kamen 100 interessierte Menschen zusammen, um über persönliche Erfahrungen, Perspektiven auf Kommunikation und Gesellschaft und Zugänge zu AI Literacy ins Gespräch zu kommen. Am 14. März ist der zweite Teil dieser Veranstaltungsreihe geplant. Das Museum hat außerdem eine Umfrage zum Nutzungsverhalten der Besucher:innen konzipiert. Daran haben bis jetzt fast 100 Menschen teilgenommen. Die Auswertung der Umfrage bekräftigt ein starkes Interesse daran, KI in soziale, kulturelle und politische Kontexte einordnen zu können. Dabei werden Lernformate bevorzugt, die angeleitet und strukturiert sind. Die Mehrheit der Befragten wünscht sich eine Mischung aus Zuhören und Ausprobieren in kleinen Gruppen.
Die Ergebnisse der Ideenforen und der Umfrage werden in die Konzeption der Vermittlungsangebote des Museums und in den Stelenwald „20+1 : 20 und (d)eine Perspektive auf KI“ in der Dauerausstellung einfließen. Am 27. Mai wird der Bereich des Stelenwalds mit Statements von Expert:innen zu den meistdiskutierten Themen unserer Museumsgäste in Bezug auf Künstliche Intelligenz neu eröffnet. Eine Medienstation unterstützt Besuchende dabei, sich zurechtzufinden. Sie können mittels eines „Bons“ individuell zusammenstellen, welche Zukunftsthemen sie weiter vertiefen wollen – sie werden dann an die entsprechende Stele gelotst – oder ob sie weiterführende Inhalte auf ihrem Smartphone mit nach Hause nehmen.
Bis zum Ende der Laufzeit von „NACHRICHTEN – NEWS“ im September 2026 geht es im Museum für Kommunikation weiterhin um Orientierung in der zunehmend wachsenden Nachrichtenflut. Während sich die Besuchenden in der Ausstellung mit Nachrichtenproduktion selbst und ihrem eigenen Konsum auseinandersetzen können, bietet das Begleitprogramm Vertiefungsmöglichkeiten. Am 5. Mai 2026 – dem Tag des Lokaljournalismus – veranstaltet das Museum mit seinen Kooperationspartnern aus der Medienbranche einen Aktionstag. Nachdem sich am Vormittag Schulklassen für #UseTheNews anmelden können, finden am Nachmittag Angebote für Familien statt. Am Abend gibt es eine Talkrunde mit bekannten Journalist:innen aus der Region zum Thema „Lokale Berichterstattung als wohltuende Alternative zu den unerfreulichen Nachrichten aus aller Welt?“.
Zwei Pop-Up-Ausstellungen im Museumsfoyer rücken zwei weitere Themen in den Fokus: Ab dem 14.1. wird das 100-jährige Jubiläum der Mobiltelefonie vorgestellt, die am am 7. Januar 1926 mit dem ersten Telefongespräch in einem fahrenden Zug begann. Ergänzt wird die Vor-Ort-Ausstellung mit einer digitalen Präsentation auf der Webseite des Museums.
Eine zweite Pop-Up-Ausstellung findet im Rahmen der World Design Capital 2026 statt: Sie zeigt Klassiker aus der Dauerausstellung, die Designgeschichte geschrieben haben, etwa der Schneewittchen-Sarg von BRAUN oder der Kuba Komet. Die Exponate werden ab dem 1. Juni 2026 im Foyer präsentiert.
Die erste Sonderausstellung des Jahres eröffnet bereits in der Woche des Gedenktags zur Befreiung von Auschwitz am 29. Januar 2026. „Die Nazis waren ja nicht einfach weg“ ist in Zusammenarbeit mit dem Schulmuseum der Universität Erlangen-Nürnberg entstanden und thematisiert den Umgang mit dem Nationalsozialimus in Deutschland seit 1945. Die Ausstellung greift die Perspektive von Kindern und Jugendlichen verschiedener Epochen auf und thematisiert die Situation der Überlebenden der Verfolgung sowie der vormaligen Täter und Mitläufer, aber auch deren Nachkommen.
Das Begleitprogramm der Ausstellung stellt lokale Bezüge zum Thema Erinnerungskultur her. Am 25. Februar lädt das Museum zum Erzählcafé, in dem Frankfurter Initiativen (u.a. die Initiative Stolpersteine Frankfurt am Main und Förderverein für die Errichtung einer Gedenk- und Bildungsstätte KZ Katzbach in den Adlerwerken) von ihrer Arbeit berichten. Schulklassen ab der Jahrgangsstufe 10 können am 26. Februar mit Zeitzeug:innen aus dem Rhein-Main-Gebiet ins Gespräch kommen. Und ab April führt Historikerin Kathrin Rahlwes Interessierte an wichtige Orte der Frankfurter NS-Vergangenheit.
Eine weitere Auseinandersetzung mit der Unterdrückung des freien Lebens durch Diktaturen ist die Eröffnugn der Ausstellung „Samizdat: Worte der Freiheit in der Tschechoslowakei 1939-1989“ am 19. August. Als Reaktion auf die strenge Zensur und die staatliche Kontrolle über alle offiziellen Publikationen in der Sowjetunion entstand Samizdat (russisch in etwa „Selbstverlag“) mit dem Ziel der Reproduktion und Verbreitung von als nicht systemkonform eingestufter Literatur und anderer Texte. Nachdem staatliche Zensur bereits in der Kaiserzeit und der nationalsozialistischen Besatzung unterlaufen wurde, gab es in der Tschechoslowakei eine gut organisierte Samizdat-Bewegung, zu denen auch bekannte Autor:innen wie beispielsweise der spätere Präsident Václav Havel zählten.
Sonderausstellung „Familienbande“ und Audiospur
Gegen Ende des Jahres lädt die große Sonderausstellung „Familienbande“ (ab 22.10.2026) dazu ein, die Vielfalt von Familien und die Entwicklung von Familienkommunikation zu entdecken. Begleitend zu „Familienbande“ wird ein intergenerationeller Audioguide entwickelt, der die Inhalte der Ausstellung anhand unterschiedlicher Perspektiven auf das Thema Familie vermittelt. Erarbeitet werden die Inhalte der Audiospur in einer Reihe von Workshops und im Austausch mit diversen Gruppen.
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