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Morat-Hallen offiziell eröffnet: Neue Räume für die Freiburger Kunstszene
Städtische Galerie und Halle Nord zeigen zwei Ausstellungen mit zeitgenössischer Kunst

Drei riesige Hallen, knapp 2000 Quadratmeter Fläche: Das weitläufige Gebäude an der Lörracher Straße 31 ist als Sitz des Morat-Instituts für Kunst und Kunstwissenschaft weit über Freiburg hinaus bekannt. Im Mai 2024 hat die Stadt das Gebäude gekauft und anschließend saniert – ermöglicht durch eine großzügige Spende der in Freiburg lebenden Mäzenin Gertraud Hurrle. Heute haben Oberbürgermeister Martin Horn und Erster Bürgermeister Ulrich von Kirchbach die traditionsreichen Morat-Hallen mit zwei Ausstellungen zur zeitgenössischen Kunst eröffnet.

Oberbürgermeister Martin Horn: „Dass wir dieses wunderbare Gebäude als Raum für Kunst und Kultur in Freiburg erhalten konnten, war ein echter Gemeinschaftserfolg. Mein besonderer Dank gilt Gertraud Hurrle – nur durch ihre großzügige Spende konnten wir die einmalige Gelegenheit nutzen und das Gelände kaufen. Die Morat-Hallen werden die Kunstszene unserer Stadt in den nächsten Jahrzehnten maßgeblich mitprägen. Danke auch an alle, die diesen Erfolg durch ihr Engagement möglich gemacht haben.“

„Von der Kooperation zwischen Stadt und Morat-Institut profitiert die Kunst in Freiburg: Mit der Eröffnung der Hallen führen wir das kulturelle und künstlerische Erbe der Familie Morat fort. Und durch Dauerleihgaben an die Museen haben die Freiburger*innen weiterhin Zugang zu den hochkarätigen Kunstwerken. Was mir besonders am Herzen liegt: Mit der Halle Nord haben wir einen neuen Ort für die Freiburger Kunstszene geschaffen. Hier können sich die unterschiedlichsten Initiativen und Vereine entfalten. Genau das brauchen wir, um unsere Stadt als lebendige Kulturstadt voranzubringen“, stellte Erster Bürgermeister Ulrich von Kirchbach die Bedeutung für Freiburg heraus.

In der mittleren Halle findet die Städtische Galerie, zuvor im Kunsthaus L6 untergebracht, auf knapp 240 Quadratmetern ein neues – und deutlich größeres – Zuhause. Genau wie in der Vergangenheit sind hier wechselnde Ausstellungen zu sehen. In der Halle Nord ist ein neuer Ort für die Freiburger sowie die nationale und internationale Kunstszene entstanden. Ausstellungen, Performances, Projekte: Die knapp 300 Quadratmeter große Halle bietet genug Platz für unterschiedlichste Formate.

Die Städtische Galerie zeigt bis zum 15. März „Following – some kind of same – π“; mit Malerei-, Keramik- und Holzreliefarbeiten von Tim Bohlender, Tanja Goetzmann und Nozomi Tanabe. In der Halle Nord ist bis zum 29. März „Fields of Un/rest“ zu sehen. Darin fragen die Künstler*innen Philip Beck, Betty Blumenstock, Arne Grashoff und Benjamin Koglin sowie die Kuratorin Sharleena Rosing: Was bedeutet es, in einer von Krisen geprägten Gegenwart Kunst zu produzieren.

Rückblick: Kooperationsvertrag zwischen Stadt und Morat-Familie
Die Morat-Hallen waren jahrzehntelang Sitz des renommierten Morat-Instituts für Kunst und Kunstwissenschaft. Am 11. November 2023 hat das Ehepaar Morat ihre Stiftung an die Söhne Daniel und Robert abgegeben – pünktlich zum 80. Geburtstag des Gründers Franz Armin Morat. Den in Berlin lebenden Brüdern war es ein Herzensanliegen, dass die Sammlung in Freiburg bleibt. Der Stadt Freiburg war es besonders wichtig, das Erbe der Familie Morat weiterzuführen und das Gebäude als Ort der Kunst und Kultur zu bewahren. Daraus entstand die Idee einer Kooperation zwischen Stadt und Morat-Institut.

In der südlichen Halle ist weiterhin das Lebenswerk von Eva-Maria und Franz Armin Morat gelagert. Über 40 Jahre hinweg hat das Ehepaar mit großer Leidenschaft eine beeindruckende Sammlung zusammengetragen: eine umfangreiche Bibliothek mit etwa 50.000 Bänden kunstwissenschaftlicher Literatur, rund 7.500 Grafiken sowie 500 Gemälde und Skulpturen; darunter Arbeiten von Dürer, Rembrandt und Goya. Besonders spannend sind die umfangreichen Konvolute einzelner Künstler – nirgendwo sonst finden sich so viele Arbeiten von Kurt Kocherscheidt (1943–1992) oder Artur Stoll (1947–2003). Ein bedeutender Teil der Sammlung steht bereits als Dauerleihgabe den Städtischen Museen zur Verfügung und ist damit der Öffentlichkeit zugänglich.

Im Mai 2024 folgte der Ankauf der Hallen. Anschließend erneuerte das Gebäudemanagement (IMF) die veraltete Technik, baute Fluchttüren ein und installierte eine barrierefreie Toilettenanlage sowie eine Küche. Die Sanierung und der Umbau waren im November 2025 abgeschlossen und kosteten circa 580.000 Euro. Geplant ist noch eine Rollstuhlrampe am Vordereingang; über die Fluchttüren am Hintereingang sind die Hallen bereits barrierearm erreichbar.

Die Ausstellungen
Der Eintritt zu beiden Ausstellungen ist frei. Die Öffnungszeiten sind Donnerstag und Freitag von 16 bis 19 Uhr und Samstag sowie Sonntag von 11 bis 17 Uhr. An Feiertagen sind Städtische Galerie und Halle Nord geschlossen.

Städtische Galerie: "Following – some kind of same – π" bis zum 15. März
Tim Bohlender, Tanja Goetzmann und Nozomi Tanabe untersuchen das Serielle als künstlerisches Prinzip. Tanja Goetzmanns keramische Hüllen verhandeln Variationen zwischen Funktion, Form und Materialität. Tim Bohlenders Malereien erzeugen durch Spiegelungen, minimale Abweichungen und kleine Störungen seiner grafischen Elemente immer wieder Ungewohntes. Nozomi Tanabes geschnitzte Gesichtsfragmente reflektieren in ihren Wiederholungen Geschichte und Gesellschaft sehr grundlegend als Etwas das über Nachahmung und Adaption funktioniert.

Die drei künstlerischen Positionen – Keramik, Malerei und Holzrelief – erzeugen im Dialog spannungsreiche Übergänge zwischen Fläche, Volumen und Geste. Das serielle Arbeiten wird dabei nicht als bloße Wiederholung verstanden, sondern als poetisch-analytisches Verfahren, das Ordnung schafft und sie zugleich unterläuft.

Halle Nord: "Fields of Un/rest" bis zum 29. März
Die mittlerweile in Berlin lebenden Künstler*innen – Philip Beck, Betty Blumenstock, Arne Grashoff und Benjamin Koglin sowie die Kuratorin Sharleena Rosing – fragen: Was bedeutet es in einer von Krisen geprägten Gegenwart Kunst zu produzieren?

Der Titel reflektiert das Spannungsfeld zwischen Rückzug und Reaktion, zwischen dem Bedürfnis nach Ruhe und äußerer Unruhe. Die Ausstellung untersucht, wie sich gesellschaftliche Umstände im künstlerischen Werk manifestieren, ohne dabei tagespolitisch zu agieren.

Die Künstler*innen arbeiten mit Installation, Skulptur, Fotografie, Video und Sound und entwickeln teils neue, raumbezogene Arbeiten. Ihre Werke beschäftigen sich mit Materialität, Identität, Körperlichkeit, sowie mit den Bedingungen von öffentlichem Raum und zeitgenössischer Existenz.
 
Eintrag vom: 07.02.2026  




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