Deutsche Stiftung Denkmalschutz unterstützt zudem Untersuchungen weiterer Wandbereiche
Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz (DSD) unterstützt Arbeiten zur Konservierung einer überraschend entdeckten historischen Wandmalerei in einer Wohnung im ehemaligen Domherrenhof in der Oberen Karolinenstraße 6 in Bamberg und die Untersuchung angrenzender Wandbereiche mit 24.000 Euro. Den entsprechenden Fördervertrag wird Herbert van Beek vom DSD-Ortskuratorium Bamberg am Montag, den 12. Oktober 2026, um 11.30 Uhr vor Ort an Florian Selig vom Bereich Bau und Liegenschaften des Erzbistums Bamberg, Eigentümerin des Gebäudes, überreichen.
Möglich ist die Unterstützung dank der privaten Spender der DSD und Erträgen der Lotterie GlücksSpirale.
Die geförderten Maßnahmen sollen zum einen die Konservierung der in einer als Mietwohnung genutzten Einheit erst kürzlich unter Tapetenschichten entdeckten Wandmalerei ermöglichen. Außerdem werden Untersuchungen unterstützt, die klären sollen, in welchem Umfang sich weitere historische Ausmalungen im Gebäude erhalten haben und wie der außergewöhnliche Befund dauerhaft gesichert und präsentiert werden kann.
Der ehemalige Domherrenhof, die Curia Sti. Sebastiani, gehört zu den bedeutenden historischen Hofanlagen im Umfeld des Bamberger Doms. Das Ensemble entstand in mehreren Bauphasen. Der langgestreckte zweigeschossige Torflügel ist auf das Jahr 1531 datiert. Der östliche Wohnbau stammt vermutlich aus dem 16. Jahrhundert, während der westliche Wohntrakt mit Kapellenturm und Belvederegang, also mit „schöner Aussicht“, um 1600 entstand. Hinzu kommt ein Gartensalettl, ein Gartenhäuschen, aus der Mitte des 18. Jahrhunderts, das wahrscheinlich vom Bamberger Johann Jakob Michael Küchel, Architekt des Rokokos, entworfen wurde. Die Anlage zeichnet sich durch ihre vielschichtige Baugeschichte und ihre enge Verbindung zum geistlichen und repräsentativen Leben des Bamberger Dombezirks aus.
Die etwa 120 mal 170 Zentimeter große Wandmalerei wurde beim Entfernen einer Raufasertapete in einer Mietwohnung freigelegt. Die Malerei könnte aus der Entstehungszeit des Gebäudes stammen. Das Wandbild wurde vermutlich als Kalk-Secco-Malerei auf mehrlagigem Kalkputz ausgeführt. Auffällig sind die hohe künstlerische Qualität, die differenzierte Farbgebung sowie die mit Vorzeichnungen angelegte perspektivische Darstellung.
Was das Wandbild genau zeigt, ist noch nicht eindeutig. Nach ersten Einschätzungen könnte es Szenen der Textilverarbeitung oder des Textilhandels sein. Eine genaue Analyse steht noch aus. Für die Denkmalpflege besitzt der Fund einen hohen historischen und wissenschaftlichen Wert, da er Einblicke in die Wohn- und Repräsentationskultur eines geistlichen Hofes in der frühen Neuzeit ermöglicht. Zudem sprechen zahlreiche Indizien dafür, dass die Malerei ursprünglich Teil eines größeren Wandbildprogramms in einem repräsentativen Raum, vielleicht eines Empfangssaals mit mittlerweile verbautem Treppenaufgang war.
Besonders bemerkenswert ist die Fundsituation: Historische Wandmalereien dieser Qualität werden nur selten in regulär genutzten Mietwohnungen entdeckt. Die nun geförderten Untersuchungen sollen Erkenntnisse über Umfang, Datierung und Bedeutung des Befundes liefern und die Grundlage für weitere Restaurierungsmaßnahmen schaffen.
Das Haus in der Oberen Karolinenstraße war im Rahmen des Tags des offenen Denkmals am 13. September 2026, der in Bamberg offiziell eröffnet wurde, als sogenannte Schaubaustelle öffentlich zugänglich. In Kleingruppen konnten Interessierte sich das entdeckte Wandbild ansehen, einem Restaurator bei der Arbeit zusehen und Fragen stellen.
Der ehemalige Domherrenhof in Bamberg ist eines der mehr als 680 Denkmale, die die DSD dank privater Spenden, ihrer Treuhandstiftungen sowie der Mittel der Lotterie GlücksSpirale bisher allein in Bayern fördern konnte. |